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Vitamine bedeuten Leben

Das Wissen um die Bedeutung der Vitamine ist noch verhältnismäßig jung.

In vielen Fällen haben erst die Forschungen der letzten 30 Jahre Klarheit gebracht. Und trotzdem wird der Stand der Erkenntnisse über die Wirkungsweise und Bedeutung der Vitamine für den lebenden Organismus sich auch in Zukunft stetig weiterentwickeln.

Eines ist aber medizinisch gesichert: Ohne regelmäßige Aufnahme von Vitaminen ist Leben undenkbar.

Das Wissen um die Zusammenhänge und Abläufe im lebenden Organismus ist für die Gesundheit zu wichtig, als dass man mit überzogenen Hoffnungen über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Vitamine in den Schlagzeilen der „Regenbogenpresse“ spekulieren dürfte. „Wenn man sich die Diskussion der letzten Jahre um die angeblich ungeahnten Einsatzmöglichkeiten der Vitamine A und E ins Gedächtnis zurückruft, dann ist Kopfschütteln noch die harmloseste Reaktion auf die Flut der zumeist unqualifizierten oder sogar schlicht falschen Äußerungen“ sagt Dr. Frank Steinmetz sinngemäß in seinem Vorwort zum Ratgeber „Vitamine“. Man sollte auf jeden Fall bedenken, dass jeder Mensch und jedes Tier anders ist, und demzufolge einen ganz speziellen Vitaminbedarf hat. 

Als Vitamine werden organische Nährstoffe bezeichnet, die in kleinen Mengen lebensnotwendig (essentiell) sind, da sie von Mensch und Tier nicht oder in nicht ausreichenden Mengen, synthetisiert (Synthese: Aufbau einer komplizierten Verbindung aus einfacheren Stoffen) werden können. Deshalb ist jeder lebende Organismus darauf angewiesen, dass Vitamine mit der Nahrung zugeführt werden müssen.

Der Namen „Vitamin“ kommt aus dem Lateinischen: Vita - das Leben und Amin (Eiweiß). Geprägt wurde er 1912 von Casimier Funk, in der falschen Annahme, dass es sich bei Vitaminen um Proteine handelt. Heute weiß man, dass Vitamine die verschiedensten Stoffwechselumsetzungen steuern. Der Stoffwechsel ist deshalb von einer ausgewogenen Vitaminversorgung abhängig.

Man teilt Vitamine nach ihrer Löslichkeit (fettlösliche bzw. wasserlösliche) ein.

Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) werden dem Organismus mit Fett zugeführt. Eine Unterversorgung führt im Extremfall zu Mangelerscheinungen. Andererseits ist eine Überdosierung der fettlöslichen Vitamine gefährlich, da sie in bestimmtem Umfang im Organismus speziell in der Leber und den Nieren, z. B. auch im Fettgewebe, gespeichert werden und zu erheblicher Retention (Funktionsstörung, die darin besteht, dass Stoffe, u. a. Urin, nicht in ausreichendem Maße ausgeschieden werden können) führen. Weiterhin kann es dadurch zu Intoxikationen (Vergiftung; schädigende Einwirkung auf den Organismus) kommen. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist bei einer Überdosierung von Vitamin E (Tocopherole) zu beachten. Der Lebensmittelchemiker und Buchautor Udo Pollmer schreibt dazu in seinem Sachbuch über „Chemie in unserer Nahrung“: „Um Mißverständnisse von vornherein auszuschließen: Vitamin E wird der Wurst ebensowenig wie vielen anderen Lebensmitteln zur Vitaminaufwertung zugesetzt, sondern aus rein technologischen Gründen als eine Art Konservierungsmittel. Die Vitaminwirkung tritt dabei in den Hintergrund.  Gerade diejenigen Tocopherole beispielsweise, die sich ideal als Antioxidantien eignen, haben eine geringe biologische Wirkung. Das technologische Problem: Fett reagiert mit dem Sauerstoff der Luft im Tageslicht, bei Wärme oder bei Anwesenheit bestimmter Katalysatoren, z. B. Schwermetallen. Hierbei bilden sich zunächst die geruchs- und geschmacklosen aber giftigen Hydroperoxide. Bei ihrem Zerfall entstehen Verbindungen, die für den typischen ranzigen Geschmack eines verdorbenen Fettes verantwortlich sind. Antioxidantien verlängern den Prozeß der Hydroperoxidbildung und schieben damit den geschmacklich nachteiligen Prozeß des Ranzens hinaus. Sie sind um so notwendiger je mehr Fett, oder andersherum, je weniger Fleisch verwendet wird. In der Bundesrepublik ist per Gesetz Alpha-Tocopherol (Vitamin E) „nicht zulassungsbedürftiger Stoff“ und folglich auch ohne Höchstmengenbegrenzung erlaubt. Der direkte Zusatz der synthetischen Präparate wie BHA und BHT in Fleischerzeugnissen ist zwar verboten, aber im Futter der Tiere sind sie erlaubt. Dass Antioxidantien Oxidationsgleichgewichte beeinflussen können und damit in lebensnotwendige Prozesse eingreifen, ist längst erwiesen. Konsequenzen wurden daraus noch keine gezogen.“ 

Im Gegensatz zu den fettlöslichen Vitaminen wirken die wasserlöslichen Vitamine vorwiegend als Coenzyme im Stoffwechsel innerhalb der Zelle. Sie werden nur in einem äußerst geringen Umfang im Organismus gespeichert, so dass eine kontinuierliche Zufuhr über die Nahrung notwendig ist. Überschüssige Mengen wasserlöslicher Vitamine werden mit dem Urin ausgeschieden. Bei der Berechnung des Bedarfs an wasserlöslichen Vitaminen ist zu berücksichtigen, dass viele dieser Vitamine durch die intakte Darmflora synthetisiert und über die Darmwand in den Zellstoffwechsel abgegeben werden. Prof. Dr. H. Meyer sieht generell bei einer Ausdünnung der Darmflora oder bei sonstigen Störungen im Verdauungskanal die Gefahr einer zu geringen internen Vitaminversorgung. Die Ausdünnung der Darmflora wird durch Antibiotika, Konservierungsstoffe und chemische Zusätze in der Nahrung begünstigt.

Aus diesem Grunde ist die Stabilisierung der Darmflora auch oberstes Gebot für eine artgerechte und gesunde Ernährung von Hund und Katze. Um die Synthese der wasserlöslichen Vitamine über die Darmflora zu optimieren, gewinnt gut – das Darmregulans, immer mehr an Bedeutung.