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Fett schwimmt oben

Jeder lebende Organismus braucht Energie. Selbst wenn er sich in Ruhe befindet. Energie wird benötigt für die Funktionen der Atmung, des Kreislaufs und der Erhaltung der Körpertemperatur. Darüberhinaus benötigt jeder Organismus für jede Art von Bewegung Energie. Hund, Katze und auch Mensch sind dabei auf verschiedene Substanzen angewiesen, die ihnen regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Die drei Hauptnährstoffe Rohprotein (Eiweiß), Kohlenhydrate und Fett liefern die nötige Energie. Fett ist der Nährstoff, der die meiste Energie liefert. Bei Nahrungsfetten unterscheidet man Fette tierischer und pflanzlicher Herkunft. Sie gelten zwar beide als Energielieferanten, aber ihre Fettsäurezusammensetzung ist unterschiedlich.

Im Rohfettgehalt sind alle fettlöslichen Substanzen zusammengefaßt, so die essentiellen Fettsäuren. Weiterhin sind Fette wichtig für die Verwertung der fettlöslichen Vitamine; z. B. Vitamin A, D3 und E. In Heimtier-Fertignahrungen von guter Qualität sind die Anteile an Nahrungsfetten relativ hoch. Da Fette überwiegend zur Energiegewinnung genutzt werden – sie liefern 2,25fach mehr Energie als die gleiche Menge an Rohprotein oder Kohlenhydraten – sind hohe Rohfettgehalte in Fertignahrung ein wichtiger Hinweis auf einen hohen Energiegehalt.

Bei der praktischen Fütterung erweisen sich diese Heimtiernahrungen als besonders ergiebig. Da die Verdaulichkeit von Rohfett bei Katzen und Hunden sehr hoch ist (bis 95%), liefert der Rohfettgehalt eine sehr gute Information über die Energiedichte des Produktes. Leider bietet die Deklarationsangabe „Rohfett“ keine Aussage über den Gehalt an essentiellen Fettsäuren, z.B. Linolsäure und Arachidonsäure. Auf Grund der genetischen Abstammung von Hund und Katze ist jedoch darauf zu achten, dass der Anteil an tierischen Fetten einer artgerechten und gesunden Ernährung entspricht. Fette werden z. B. beim Hund gut verwertet. Bei längerer Verfütterung von Fertigfuttermitteln, denen pflanzliche Fette in teilweise überhöhten Mengen zugesetzt wurden, löste der Mangel an Fettsäuren Hauterkrankungen aus. Auch bei der Katzenernährung sollten die eingesetzten Fette tierischer Herkunft sein, da vor allem diese Fette, die für die Katze lebensnotwendige (essentielle) Arachidonsäure enthalten.

Prof. Anton C. Beynen von der tierärztlichen Fakultät der Reichsuniversität Utrecht stellt in seinem beachtenswerten Beitrag über die Ernährung der Katzen die Notwendigkeit für den Einsatz von Rohfetten tierischer Herkunft im Katzenfutter nachdrücklich fest: Tierische Fette sind wichtiger als Fette pflanzlicher Herkunft. Speziell pflanzliche Öle, wie z. B. Kokosöl, werden von ihm für die Ernährung der Katzen abgelehnt. Diese Feststellung findet nicht zuletzt ihre Bestätigung durch die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Fette von Wiederkäuern (Rindern) für die Hunde- und Katzenernährung unverzichtbar sind.

Bei gesunden Hunden und Katzen übt die Höhe der Fettaufnahme keinen nachteiligen Einfluß auf die Fettverdauung aus. Dagegen kann es bei eingesetzten Zusatzstoffen in der Heimtiernahrung zu einer negativen Beeinflußung der Fettverdauung kommen. Weiterhin können zu hohe Kalziummengen in der Tiernahrung die Fettverdaulichkeit maßgeblich beeinträchtigen.

Nach Prof. Dr. Helmut Meyer beginnt die Fettverdauung in der Regel erst im Dünndarm. Damit es nicht bereits im Magen zu einem unerwünschten Fettabbau kommt, sollte speziell beim Hund das Füttern zu großer Mengen auf einmal vermieden werden. Alleine aus diesem Grund ist eine Fütterung mindestens zwei Mal am Tag empfehlenswerter. Das Füttern morgens, mittags und abends verdient ernährungsphysiologisch erste Priorität. Fette, die unterstützt durch Gallensäure sowie Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und Darmsaft-Enzyme in Glyzerin und Fettsäuren aufgespalten wurden, werden dadurch wasserlöslich. Diese Spaltprodukte können nun u. a. durch Einwirkung bestimmter Proteine und Phosphorverbindungen über die Zellwand des Darmes abgegeben werden und gelangen so an den jeweiligen Einsatzort. „Fett schwimmt oben“ bezieht sich nicht nur auf den erkennbaren Fettabsatz in Tiernahrungsprodukten, denen keine Fettbindungszusätze (Emulgatoren) zugesetzt wurden, sondern auf die Tatsache, dass Fette länger im Magen gehalten werden, damit der vorrangige Umbau von Proteinen im Darm ungestört ablaufen kann. Drei Stunden nach Fütterung sind noch etwa 50 % der Fette im Magen von Katze und Hund nachweisbar. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es bei einer artgerechten und gesunden Hunde- und Katzenernährung darauf ankommt, dass der überwiegende Rohfettanteil in der Heimtiernahrung tierischen Ursprungs sein sollte. Dass bei der Katzenernährung die lebensnotwendige Fettsäure „Arachidonsäure“ durch tierisches Fett über die Nahrung zugeführt werden muß, bedingt durch das Unvermögen der Katze aus Linolsäure Arachidonsäure herzustellen. Daß Fett selbst wichtige Vitamine enthält, wie z. B. A, D und E und dass eine ganze Reihe lebenswichtiger Vitamine nur in Fett löslich sind. Daß Fett unbedingt notwendig ist, um die Körperenergien zu speisen, Abwehrstoffe gegen Krankheiten zu bilden und den Vitaminstoffwechsel zu fördern. Energie sorgt im Organismus für die Durchschnittskörpertemperatur und nicht zuletzt für die motorischen Leistungen des Körpers, um nur einiges zu nennen. Die eigentliche biologische Bedeutung der Fette liegt jedoch darin, dass sie als Reservestoffe dienen. Wie eingangs zitiert, sind Fette energiereicher als Protein (Eiweiß) und Kohlenhydrate. Fette bilden eine Nahrungsreserve, auf die der Organismus im Bedarfsfall zurückgreifen kann. In diesem Zusammenhang erscheint es von Wichtigkeit, sich einmal mit der Körperzusammensetzung eines Hundes zu befassen. Aus chemischer Sicht besteht der Organismus eines ausgewachsenen Hundes gut zur Hälfte seiner Lebendmasse aus Wasser, fast ein Viertel aus Fett, zu einem Sechstel aus Protein und zu einem Dreißigstel aus Rohasche mit ihrem Anteil an Mineralstoffen und Spurenelementen.