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Hausapotheke 3

Zu viel Zucker im Blut

Foto: schanz foto-design
Dass auch Katzen Diabetes bekommen, passiert häufiger als oft angenommen. Vor allem ältere Katzen ab etwa sieben Jahren sind betroffen, insbesondere erkranken kastrierte Kater nicht selten an Diabetes.


Text: Dr. Christine Kary

Als Feliner Diabetes mellitus wird die Zuckerkrankheit der Hauskatzen bezeichnet. Diabetes entsteht, wenn infolge verschiedener Ursachen die Wirkung des Bauchspeicheldrüsenhormons Insulin auf die Körperzellen nachlässt oder zu wenig Insulin produziert wird. Die Zellen sind nur noch unzureichend in der Lage, Zucker aufzunehmen und dem Stoffwechsel zuzuführen. Das führt zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels. 

Bei Übergewicht und reiner Wohnungshaltung erhöht sich bei Katzen das Risiko, an Diabetes zu erkranken.
Die ersten Alarmsignale sind starker Durst und häufiges Urinieren, dazu kommt meist Heißhunger: Die Samtpfote kann Unmengen an Futter verdrücken, nimmt aber trotzdem ab und wirkt sichtlich matt und träge. Werden diese Symptome beobachtet, ist der Weg zum Tierarzt unumgänglich. Denn bleibt die Krankheit unbehandelt, kann es zu lebensgefährlichen Organschädigungen bis hin zum Nierenversagen kommen. 

Eine gute Nachricht


Bei entsprechender Therapie kann der Stubentiger trotz der Krankheit ein langes, glückliches Katzenleben führen. Denn im Wesentlichen ist Katzen-Diabetes nichts anderes als Diabetes mellitus beim Menschen: eine Störung des Kohlehydratstoffwechsels. Ein Insulinmangel lässt den Blutzuckerspiegel stark ansteigen. Die Ursache kann etwa eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sein, die dazu führt, dass zu wenig Insulin produziert wird, zugleich entwickeln die Körperzellen meist auch noch eine erhöhte Insulinresistenz. Bei übergewichtigen Tieren kann der Grund aber auch viel simpler sein: Das produzierte Insulin reicht einfach nicht aus, um die gesamte Körpermasse zu versorgen. 
Auch andere Grunderkrankungen (z. B. Harnwegsinfekte, Entzündungen der Zähne) können Diabetes auslösen, ebenso Behandlungen mit bestimmten Medikamenten, vor allem mit Cortison. 

Geregelter Tagesablauf


Befürchtet man, dass die Katze an Diabetes leidet, kann der Katzenbesitzer einen ersten „Schnelltest“ selbst durchführen. Mit einem Teststreifen aus der Apotheke ist der Glukosegehalt im Urin der Katze festzustellen.
Den Blutzuckerspiegel wirklich exakt bestimmen kann aber nur der Tierarzt durch eine Blutuntersuchung. Steht eindeutig fest, dass die Katze zuckerkrank ist, ist es trotzdem kein Grund, gleich zu verzweifeln: Die Behandlung erfordert zwar einige Disziplin, kann dem vierbeinigen Patienten aber ein beschwerdefreies Leben verschaffen. 

Eine vom Tierarzt gut auf Insulin eingestellte Katze ist wieder munter und fidel und hat eine kaum geringere Lebenserwartung als ein gesundes Tier. Wichtig ist aber ein geregelter Tages­ablauf: Die Katze braucht zweimal täglich – morgens und abends - ihre Insulinspritze. Das Insulin wird direkt unter die Haut gespritzt, eine Prozedur, die vom Katzenhalter zwar etwas Übung erfordert, ansonsten aber unproblematisch und für die Katze auch nicht schmerzhaft ist. Dass sich Katzen leicht an diese regelmäßige, täglich gleich ablaufenden Ereignisse gewöhnen, erweist sich dabei ebenfalls als Vorteil. 

Trockenfutter ist Tabu


Auch bei der Fütterung sind Änderungen notwendig. Futterzeiten, Futtermenge und -inhaltsstoffe müssen genau mit den Insulingaben abgestimmt sein. Auf Trockenfutter sollte gänzlich verzichtet werden, denn das treibt bei vielen schnurrenden Patienten den Blutzuckerspiegel erst recht in die Höhe. Oft genügt sogar schon die Umstellung auf ein hochwertiges Nassfutter, um die Krankheit gänzlich in den Griff zu bekommen. 

Speziell dann, wenn die Ursache für die Zuckerkrankheit „bloß“ in falscher Ernährung und Übergewicht lag, besteht eine Chance auf völlige Heilung, wenn die bisherigen Fütterungsfehler korrigiert werden. Auch wenn eine Grunderkrankung die Ursache war, die ausgeheilt werden konnte, oder es sich bloß um die Nebenwirkung einer Cortisontherapie handelt, kann sich der Stoffwechsel wieder völlig normalisieren.
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„Trockenfutter ist für mich tabu“
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Nur der Tierarzt kann den Blutzuckerspiegel exakt bestimmen
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Futtermenge und -zeiten müssen mit den Insulingaben abgestimmt sein
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Diabetes entsteht, wenn die Wirkung des Hormons Insulin 
auf die Körperzellen nachlässt 
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